Rentenlücke berechnen: So viel fehlt Ihnen im Alter
Von Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen
Was ist die Rentenlücke und warum sollten Sie sie kennen?
Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem Einkommen, das Sie im Ruhestand benötigen, und dem Einkommen, das Sie aus gesetzlicher Rente und anderen Quellen tatsächlich erhalten. Diese Lücke müssen Sie durch private Vorsorge schließen — und je früher Sie sie kennen, desto leichter gelingt das.
Die meisten Deutschen kennen ihre Rentenlücke nicht. Dabei ist die Berechnung einfach und die Erkenntnis oft ein heilsamer Schock, der zum Handeln motiviert.
Schritt 1: Wie viel brauchen Sie im Ruhestand?
Faustregel: Im Ruhestand benötigen Sie circa 80 Prozent Ihres letzten Nettoeinkommens. Einige Ausgaben fallen weg (Sparen, Arbeitsweg, Berufskleidung), andere kommen hinzu (Gesundheit, Freizeit, Reisen).
Beispielrechnung für verschiedene Einkommensstufen:
- Nettogehalt 2.000 Euro → Bedarf circa 1.600 Euro
- Nettogehalt 2.500 Euro → Bedarf circa 2.000 Euro
- Nettogehalt 3.000 Euro → Bedarf circa 2.400 Euro
- Nettogehalt 4.000 Euro → Bedarf circa 3.200 Euro
Berücksichtigen Sie Ihren persönlichen Lebensstil: Wohnen Sie im Eigentum (Miete fällt weg)? Planen Sie viele Reisen? Haben Sie teure Hobbys? Werden Kredite bis zur Rente abbezahlt sein? Passen Sie den Prozentsatz entsprechend an.
Schritt 2: Ihre gesetzliche Rente verstehen
Die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung zeigt Ihnen drei Zahlen:
- Aktuelle Rente: Was Sie erhalten würden, wenn Sie heute in Rente gingen
- Hochgerechnete Rente: Was Sie voraussichtlich erhalten, wenn Sie bis zum Rentenalter weiter einzahlen wie bisher
- Rente mit Anpassung: Wie die Rente mit voraussichtlichen Rentenerhöhungen aussähe (optimistisch!)
Wichtig: Nutzen Sie die hochgerechnete Rente ohne Anpassung als Planungsgrundlage. Davon müssen Sie noch abziehen:
- Krankenversicherungsbeiträge: circa 11 Prozent
- Pflegeversicherung: circa 3 bis 4 Prozent
- Einkommensteuer: abhängig vom Gesamteinkommen (Rentenfreibetrag beachten)
Rechnen Sie realistisch mit 70 bis 80 Prozent des genannten Brutto-Betrags als verfügbares Nettoeinkommen.
Schritt 3: Weitere Einkünfte im Alter
Addieren Sie alle weiteren erwarteten Einnahmequellen:
- Betriebliche Altersvorsorge (netto nach Steuern und Sozialabgaben)
- Riester-/Rürup-Rente (netto nach Steuern)
- Private Rentenversicherung
- Mieteinnahmen aus Immobilien
- Ersparte Miete bei Wohneigentum
- Kapitalerträge aus Sparguthaben und Wertpapieren
Schritt 4: Die Rentenlücke berechnen
Die Formel ist einfach:
Rentenlücke = Bedarf im Ruhestand – (gesetzliche Rente netto + weitere Einkünfte netto)
Rechenbeispiel:
- Nettogehalt heute: 2.800 Euro
- Bedarf im Ruhestand (80 %): 2.240 Euro
- Gesetzliche Rente netto (geschätzt): 1.200 Euro
- bAV netto: 150 Euro
- Sonstige Einkünfte: 0 Euro
- Rentenlücke: 2.240 – 1.200 – 150 = 890 Euro monatlich
Diese 890 Euro pro Monat müssen Sie durch private Vorsorge aufbauen. Bei einer Entnahme von 3,5 Prozent pro Jahr benötigen Sie dafür ein Vermögen von circa 305.000 Euro (890 × 12 ÷ 0,035).
Inflation: Der unsichtbare Rentendieb
Die Inflation ist der am häufigsten unterschätzte Faktor bei der Altersvorsorge. Bei 2 Prozent Inflation pro Jahr verliert Geld in 30 Jahren fast die Hälfte seiner Kaufkraft:
- 1.000 Euro heute entsprechen in 20 Jahren nur noch circa 670 Euro Kaufkraft
- 1.000 Euro heute entsprechen in 30 Jahren nur noch circa 550 Euro Kaufkraft
Das bedeutet: Wenn Sie heute eine Rentenlücke von 890 Euro berechnen, beträgt die reale Lücke in 30 Jahren circa 1.600 Euro in heutiger Kaufkraft. Ihre Vorsorge muss die Inflation schlagen — ein weiterer Grund, warum Aktien (mit historisch circa 5 Prozent realer Rendite) Sparkonten (mit oft negativer Realrendite) deutlich überlegen sind.
Notwendige monatliche Sparraten nach Alter
Wie viel müssen Sie monatlich sparen, um eine Rentenlücke von 1.000 Euro zu schließen (Zielvermögen circa 340.000 Euro bei 3,5 Prozent Entnahmerate, 7 Prozent Rendite vor Kosten)?
- Alter 25 (42 Jahre bis Rente): circa 140 Euro/Monat
- Alter 30 (37 Jahre): circa 200 Euro/Monat
- Alter 35 (32 Jahre): circa 290 Euro/Monat
- Alter 40 (27 Jahre): circa 420 Euro/Monat
- Alter 45 (22 Jahre): circa 620 Euro/Monat
- Alter 50 (17 Jahre): circa 950 Euro/Monat
Die Botschaft ist eindeutig: Je früher Sie anfangen, desto weniger müssen Sie monatlich sparen. Ein 25-Jähriger muss weniger als ein Viertel dessen aufwenden, was ein 50-Jähriger braucht. Der Zinseszins arbeitet für Sie — aber nur, wenn Sie ihm genügend Zeit geben.
Häufig gestellte Fragen
Wie berechne ich meine Rentenlücke?▾
Wo finde ich meine voraussichtliche Rente?▾
Wie viel Vermögen brauche ich für die Rente?▾
Was passiert, wenn ich erst mit 40 anfange zu sparen?▾
Wie berücksichtige ich die Inflation bei der Rentenplanung?▾
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Dieser Artikel wurde zuletzt am 9.5.2026 aktualisiert und redaktionell geprüft.
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