Welche Versicherungen brauche ich wirklich? Der große Check
Von Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen
Versicherungen im Überblick: Was Sie wirklich brauchen
Deutsche geben im Schnitt über 2.200 Euro pro Jahr für Versicherungen aus — viele davon unnötig. Die Verbraucherzentrale hat sämtliche Versicherungsarten analysiert und in vier klare Kategorien eingeteilt: Muss-Versicherungen, die gesetzlich vorgeschrieben oder existenziell wichtig sind, dringend empfohlene Versicherungen, die schwere finanzielle Schäden abfedern, situationsabhängige Versicherungen, die nur unter bestimmten Umständen sinnvoll sind, sowie meist überflüssige Versicherungen, die primär den Versicherern Gewinn bringen.
Der Grundsatz lautet: Versichern Sie nur Risiken, die Sie finanziell nicht selbst tragen können. Einen kaputten Fernseher können die meisten aus eigener Tasche ersetzen — einen Haftpflichtschaden über 500.000 Euro nicht. Dieser Grundsatz trennt sinnvolle von überflüssigen Versicherungen.
Muss-Versicherungen: Ohne diese geht es nicht
Private Haftpflichtversicherung
Die private Haftpflichtversicherung ist die wichtigste freiwillige Versicherung überhaupt. Sie schützt vor Schadenersatzansprüchen Dritter, die in die Millionen gehen können. Ein unachtsamer Moment — und Sie haften mit Ihrem gesamten Vermögen. Ab circa 40 bis 80 Euro pro Jahr erhalten Sie Schutz bis zu 50 Millionen Euro. Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine Deckungssumme von mindestens 10 Millionen Euro pauschal für Personen-, Sach- und Vermögensschäden.
Kfz-Haftpflichtversicherung
Für jeden zugelassenen PKW in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Ohne sie wird das Fahrzeug nicht zugelassen. Die Kfz-Haftpflicht deckt Schäden, die Sie anderen Verkehrsteilnehmern zufügen. Kosten variieren stark nach Schadenfreiheitsklasse, Fahrzeugtyp und Region — von circa 200 bis über 1.000 Euro pro Jahr.
Krankenversicherung
In Deutschland besteht Krankenversicherungspflicht. Arbeitnehmer mit einem Bruttojahresgehalt unter der Versicherungspflichtgrenze (2024: 69.300 Euro) sind automatisch gesetzlich versichert. Selbstständige und Gutverdiener können zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung wählen — eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen.
Dringend empfohlene Versicherungen
Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)
Statistisch wird jeder vierte Arbeitnehmer vor Erreichen des Rentenalters berufsunfähig. Die staatliche Erwerbsminderungsrente reicht bei Weitem nicht aus — sie beträgt im Schnitt nur etwa 950 Euro monatlich. Eine BU-Versicherung sichert Ihr Einkommen ab, wenn Sie Ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können. Kosten für einen 30-jährigen Büroangestellten: circa 60 bis 120 Euro monatlich für 1.500 Euro monatliche Absicherung.
Risikolebensversicherung
Unverzichtbar, wenn andere von Ihrem Einkommen abhängig sind — Partner, Kinder, ein gemeinsam finanziertes Haus. Im Todesfall zahlt die Versicherung die vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen. Für einen 30-jährigen Nichtraucher kostet eine Absicherung über 250.000 Euro nur circa 10 bis 15 Euro monatlich. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist hervorragend.
Auslandskrankenversicherung
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt im Ausland nur eingeschränkt Kosten und gar keine außerhalb der EU. Ein Krankenrücktransport kann leicht 50.000 bis 100.000 Euro kosten. Eine Auslandskrankenversicherung gibt es bereits ab 8 bis 15 Euro pro Jahr — eine der günstigsten und sinnvollsten Versicherungen überhaupt.
Situationsabhängige Versicherungen
Hausratversicherung
Sinnvoll, wenn Sie wertvolle Einrichtung besitzen (Möbel, Elektronik, Schmuck). Als Richtwert gilt: Versichern Sie circa 650 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Für Studenten in einer kleinen Wohnung mit wenig Wertvollem: oft verzichtbar. Für Familien mit vollständig eingerichteter Wohnung: empfehlenswert. Kosten: circa 50 bis 150 Euro pro Jahr.
Rechtsschutzversicherung
Kann sinnvoll sein, wenn Sie ein erhöhtes Risiko für Rechtsstreitigkeiten haben — etwa als Mieter, im Arbeitsrecht oder im Straßenverkehr. Allerdings gelten häufig Wartezeiten von drei Monaten und viele Bereiche sind ausgeschlossen (z. B. Baurecht, Kapitalanlagerecht). Kosten: circa 150 bis 350 Euro pro Jahr je nach Umfang.
Wohngebäudeversicherung
Für Immobilieneigentümer dringend empfohlen — ein Brand oder Leitungswasserschaden kann das gesamte Haus zerstören. Zusätzlich sollte eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen werden (Hochwasser, Starkregen). Kosten: circa 200 bis 800 Euro pro Jahr je nach Gebäude.
Pflegezusatzversicherung
Die Eigenanteile in der Pflege betragen leicht 2.000 bis 2.500 Euro monatlich. Wer kein ausreichendes Vermögen hat und Angehörige nicht belasten möchte, sollte eine Pflegezusatzversicherung erwägen. Je früher abgeschlossen, desto günstiger die Beiträge.
Meist überflüssige Versicherungen
Folgende Versicherungen sind in den meisten Fällen unnötig und belasten nur das Budget:
- Handyversicherung: Hohe Ausschlüsse, oft teurer als der Schaden selbst. In zwei Jahren zahlen Sie fast den Neupreis des Geräts an Prämien.
- Reisegepäckversicherung: Schlechte Erstattungsquoten, viele Ausschlüsse. Die Haftung der Airline und die Hausratversicherung decken bereits vieles ab.
- Sterbegeldversicherung: Extrem teures Sparprodukt. Die eingezahlten Beiträge übersteigen die Auszahlung fast immer. Legen Sie stattdessen monatlich einen kleinen Betrag zurück.
- Krankenhaustagegeldversicherung: Überflüssig, da die Lohnfortzahlung und das Krankengeld die Einkommensausfälle decken.
- Insassenunfallversicherung: Die Kfz-Haftpflicht des Unfallverursachers deckt Insassenschäden bereits ab.
- Glasbruchversicherung (einzeln): Kleine Schäden, die man selbst tragen kann. Lohnt sich finanziell fast nie.
Was guter Versicherungsschutz wirklich kostet
Ein solider Basisschutz für eine Einzelperson kostet weniger als viele denken:
- Private Haftpflicht: circa 60 Euro/Jahr
- Berufsunfähigkeit: circa 80 Euro/Monat (960 Euro/Jahr)
- Auslandskrankenversicherung: circa 10 Euro/Jahr
- Risikolebensversicherung (bei Familie): circa 12 Euro/Monat (144 Euro/Jahr)
Gesamtkosten Basisschutz: circa 1.174 Euro pro Jahr. Das ist weniger, als viele Deutsche allein für unsinnige Versicherungen ausgeben. Die Devise lautet: Wenige, aber richtige Versicherungen — und das gesparte Geld lieber in den Vermögensaufbau investieren.
Ihre persönliche Versicherungs-Checkliste
Prüfen Sie Ihren aktuellen Versicherungsschutz anhand dieser Checkliste:
- Single ohne Kinder: Haftpflicht + BU + Auslandskranken. Optional: Hausrat, Rechtsschutz.
- Paar mit Kindern: Haftpflicht + BU + Risikoleben + Auslandskranken + Hausrat. Optional: Rechtsschutz, Pflegezusatz.
- Immobilienbesitzer: Zusätzlich Wohngebäude + Elementarschaden.
- Autofahrer: Kfz-Haftpflicht (Pflicht). Vollkasko bei Neuwagen, Teilkasko bei älteren Fahrzeugen.
Überprüfen Sie jährlich, ob sich Ihre Lebenssituation geändert hat. Kündigen Sie überflüssige Versicherungen konsequent. Jeder Euro, der nicht in eine unnötige Versicherung fließt, kann sinnvoller verwendet werden.
Häufig gestellte Fragen
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Dieser Artikel wurde zuletzt am 9.5.2026 aktualisiert und redaktionell geprüft.
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