Stromanbieter wechseln: So sparen Sie bis zu 500 Euro im Jahr
Von Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen
Warum den Stromanbieter wechseln?
Der Stromanbieterwechsel ist eine der einfachsten Möglichkeiten, mehrere hundert Euro im Jahr zu sparen. Dennoch sind rund 25 Prozent aller deutschen Haushalte noch im teuren Grundversorgungstarif ihres lokalen Versorgers — und zahlen damit deutlich mehr als nötig.
Der deutsche Strommarkt ist seit 1998 liberalisiert. Über 1.000 Anbieter konkurrieren um Kunden und bieten Tarife an, die oft 20 bis 30 Prozent günstiger sind als die Grundversorgung. Ein Dreipersonenhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh kann durch einen Wechsel 200 bis 500 Euro pro Jahr sparen.
Der Wechsel ist unkompliziert, kostenlos und dauert in der Regel zwei bis sechs Wochen. Die Stromversorgung ist während des Wechsels jederzeit garantiert — eine Unterbrechung ist gesetzlich ausgeschlossen.
Grundversorgung: Teuer und unnötig
Die Grundversorgung ist der Tarif des örtlichen Standardversorgers, in den Sie automatisch fallen, wenn Sie keinen anderen Anbieter gewählt haben. Dieser Tarif ist fast immer der teuerste verfügbare Tarif — im Schnitt 15 bis 30 Prozent über den besten Alternativtarifen.
Vorteil der Grundversorgung: Die Kündigungsfrist beträgt nur zwei Wochen, Sie können also besonders schnell wechseln. Nutzen Sie diesen Vorteil und wechseln Sie so bald wie möglich in einen günstigeren Tarif.
Viele Grundversorger bieten neben dem Grundversorgungstarif auch günstigere Sondertarife an. Fragen Sie nach — aber vergleichen Sie trotzdem mit anderen Anbietern, da Sondertarife des Grundversorgers oft immer noch teurer sind als Angebote der Konkurrenz.
Vergleichsportale richtig nutzen
Vergleichsportale wie Verivox und Check24 erleichtern den Tarifvergleich erheblich. Allerdings sind die Voreinstellungen oft nicht verbraucherfreundlich — sie bevorzugen Tarife mit hohen Boni, die langfristig teurer sein können. Ändern Sie daher folgende Einstellungen:
Empfohlene Filtereinstellungen: Vertragslaufzeit maximal 12 Monate, Preisgarantie mindestens 12 Monate (Preisfixierung, nicht nur eingeschränkte Preisgarantie), keine Pakettarife (Vorauszahlung für feste kWh-Menge), keine Tarife mit Kaution, Kündigungsfrist maximal 6 Wochen, Bonus nur einmalig und nicht in den Gesamtpreis einrechnen lassen.
Vergleichen Sie die Ergebnisse immer auf mindestens zwei Portalen, da nicht alle Anbieter auf allen Portalen vertreten sind. Achten Sie auf den Preis im zweiten Vertragsjahr — manche Tarife sind nur durch den Neukundenbonus im ersten Jahr günstig und werden danach deutlich teurer.
Wichtige Tarifmerkmale
Preisgarantie: Eine Preisgarantie schützt Sie vor Preiserhöhungen während der Vertragslaufzeit. Achten Sie auf den Umfang: Eine „volle Preisgarantie" umfasst alle Preisbestandteile, eine „eingeschränkte Preisgarantie" schließt Steuern und Abgaben aus. Letztere ist deutlich weniger wert.
Vertragslaufzeit: Maximal 12 Monate. Seit März 2022 dürfen Folgeverträge nach der Erstlaufzeit nur noch auf unbestimmte Zeit mit einmonatiger Kündigungsfrist geschlossen werden. Achten Sie trotzdem darauf, rechtzeitig zu kündigen oder den jährlichen Wechsel einzuplanen.
Ökostrom: Viele Ökostromtarife sind kaum teurer als konventionelle Tarife. Achten Sie auf anerkannte Siegel wie „Grüner Strom Label" oder „ok-power", die einen echten ökologischen Zusatznutzen garantieren. Ohne Siegel kauft der Anbieter oft nur billige Herkunftsnachweise aus norwegischer Wasserkraft.
Kundenservice: Prüfen Sie Bewertungen auf unabhängigen Portalen. Günstige Anbieter sparen oft am Service — das kann bei Problemen (falsche Abrechnung, Umzug) zum Ärgernis werden.
Der Wechselprozess Schritt für Schritt
1. Letzte Stromrechnung bereitlegen (für Zählernummer und Jahresverbrauch). 2. Auf Vergleichsportal passenden Tarif auswählen. 3. Online-Antrag beim neuen Anbieter ausfüllen. 4. Der neue Anbieter kündigt Ihren alten Vertrag — Sie müssen sich um nichts kümmern. 5. Am Stichtag Zählerstand ablesen und beiden Anbietern mitteilen. 6. Ab sofort liefert der neue Anbieter Ihren Strom.
Ausnahme: Wenn Sie ein Sonderkündigungsrecht nutzen möchten (z. B. bei Preiserhöhung), müssen Sie selbst kündigen und sollten den neuen Anbieter darüber informieren.
Vorsicht bei Bonusangeboten
Neukundenboni können attraktiv sein, bergen aber Risiken. Manche Anbieter bieten hohe Boni, die erst nach 12 Monaten ausgezahlt werden — kündigen Sie einen Tag zu spät, verlieren Sie den Bonus. Andere staffeln den Bonus und zahlen nur bei Vertragsverlängerung den vollen Betrag.
Unterscheiden Sie: Sofortbonus (Auszahlung nach wenigen Wochen, relativ sicher) und Neukundenbonus (Auszahlung erst nach 12 Monaten, an Vertragstreue gebunden). Kalkulieren Sie den Preis ohne Bonus — ist der Tarif auch dann noch konkurrenzfähig?
Unsere Empfehlungen
Wechseln Sie jährlich den Anbieter oder nutzen Sie Wechselservices, die automatisch den besten Tarif für Sie finden. Bevorzugen Sie Tarife mit voller Preisgarantie, maximal 12 Monaten Laufzeit und transparenter Preisstruktur. Der beste Zeitpunkt zum Wechseln ist jetzt — jeder Monat in einem zu teuren Tarif kostet Sie Geld.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel kann ich durch einen Stromanbieterwechsel sparen?▾
Kann beim Stromanbieterwechsel der Strom ausfallen?▾
Wie lange dauert ein Stromanbieterwechsel?▾
Worauf muss ich bei Vergleichsportalen achten?▾
Muss ich meinen alten Anbieter selbst kündigen?▾
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Dieser Artikel wurde zuletzt am 9.5.2026 aktualisiert und redaktionell geprüft.
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