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AltersvorsorgeAktualisiert: 9. Mai 202615 Min. Lesezeit

ETF-Sparplan als Altersvorsorge: Die beste Alternative?

Von Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen

Stand: 09.05.2026Redaktion: Verbraucherzentrale Finanzen und VersicherungenPrüfung: Vier-Augen-Prinzip
Quellen geprüftKeine Affiliate-Links

Warum der ETF-Sparplan der beste Baustein für die Altersvorsorge ist

Exchange Traded Funds (ETFs) sind börsengehandelte Indexfonds, die einen Aktienindex wie den MSCI World eins zu eins nachbilden. Für die Altersvorsorge bieten sie entscheidende Vorteile gegenüber klassischen Versicherungsprodukten (Riester, Rürup, Kapitallebensversicherung):

  • Minimale Kosten: 0,1 bis 0,5 Prozent pro Jahr statt 1,5 bis 3 Prozent bei Versicherungen
  • Hohe Rendite: Langfristige Aktienmarktrendite von circa 7 Prozent pro Jahr vor Kosten
  • Volle Transparenz: Sie sehen jederzeit, was Sie besitzen und was es kostet
  • Maximale Flexibilität: Keine Mindestlaufzeit, jederzeitige Verfügbarkeit, Sparrate jederzeit anpassbar
  • Vererbbar: Im Todesfall geht das Depot an die Erben — kein Kapital geht verloren

Der Kostenvorteil: Warum weniger Kosten mehr Rente bedeuten

Kosten sind der wichtigste Faktor für den langfristigen Anlageerfolg. Jeder Prozentpunkt Kosten, der jährlich abgezogen wird, fehlt am Ende exponentiell:

  • ETF-Sparplan (0,2 % Kosten, 200 Euro/Monat, 30 Jahre, 7 % Bruttorendite): circa 228.000 Euro
  • Versicherungsprodukt (1,5 % Kosten, gleiche Parameter): circa 172.000 Euro
  • Teures Versicherungsprodukt (2,5 % Kosten): circa 138.000 Euro

Der Unterschied zwischen dem günstigen ETF und dem teuren Versicherungsprodukt: 90.000 Euro — bei gleicher Einzahlung und gleicher Bruttorendite. Das ist der Preis der hohen Kosten, bezahlt durch den Zinseszinseffekt über 30 Jahre.

Historische Renditen: Was die Daten zeigen

Der MSCI World Index, der über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern abbildet, hat historisch bewiesen:

  • Durchschnittliche Jahresrendite (1970-2024): circa 7 bis 8 Prozent pro Jahr (nach Inflation circa 5 Prozent)
  • Kein negativer 15-Jahres-Zeitraum: Wer mindestens 15 Jahre investiert war, hat nie Verlust gemacht
  • Worst Case (20 Jahre, Start 2000): circa 3 bis 4 Prozent p.a. — selbst im schlechtesten 20-Jahres-Zeitraum noch positiv
  • Best Case (20 Jahre): circa 12 bis 14 Prozent p.a.

Wichtig: Vergangene Renditen garantieren keine zukünftigen Ergebnisse. Aber über 50 Jahre Daten zeigen ein klares Muster: Langfristig steigen die Aktienmärkte, weil die Weltwirtschaft wächst. Einzelne Krisen (Dotcom, Finanzkrise, Corona) waren rückblickend immer Kaufgelegenheiten.

Das Pantoffel-Portfolio: Einfach und effektiv

Stiftung Warentest hat das Pantoffel-Portfolio entwickelt — eine einfache Anlagestrategie, die jeder umsetzen kann:

  • Rendite-Baustein: Ein weltweiter Aktien-ETF (z. B. auf den MSCI World oder FTSE All-World)
  • Sicherheits-Baustein: Tagesgeld oder Festgeld

Das Mischungsverhältnis richtet sich nach Ihrem Risikoprofil:

  • Offensiv (Alter 25-40): 75 Prozent Aktien-ETF, 25 Prozent Tagesgeld
  • Ausgewogen (Alter 40-55): 50 Prozent Aktien-ETF, 50 Prozent Tagesgeld
  • Defensiv (Alter 55-67): 25 Prozent Aktien-ETF, 75 Prozent Tagesgeld

Mit zunehmendem Alter schichten Sie schrittweise von Aktien in sichere Anlagen um. So profitieren Sie in jungen Jahren von der höheren Aktienrendite und sichern im Alter das aufgebaute Vermögen.

Rebalancing: Das Portfolio im Gleichgewicht halten

Durch Kursschwankungen verschiebt sich das Mischungsverhältnis im Laufe der Zeit. Steigen Aktien stark, überwiegt der Aktienanteil. Fallen sie, überwiegt das Tagesgeld. Rebalancing bedeutet, das ursprüngliche Verhältnis wiederherzustellen.

So funktioniert es:

  • Prüfen Sie ein- bis zweimal pro Jahr die aktuelle Aufteilung
  • Wenn die Abweichung mehr als 10 Prozentpunkte beträgt, stellen Sie das Gleichgewicht wieder her
  • Am einfachsten durch Anpassung der Sparrate: Mehr in den untergewichteten Baustein investieren
  • Oder durch Umschichtung: Vom übergewichteten in den untergewichteten Baustein

Rebalancing hat einen doppelten Effekt: Es begrenzt das Risiko und erzwingt automatisch antizyklisches Handeln — Sie kaufen günstig nach, wenn Aktien gefallen sind, und nehmen Gewinne mit, wenn sie stark gestiegen sind.

Entnahmestrategien: Vom Sparer zum Entsparer

Im Ruhestand wird aus dem Sparplan ein Entnahmeplan. Die wichtigste Frage: Wie viel kann ich jährlich entnehmen, ohne dass das Geld vorzeitig aufgebraucht ist?

Die 4-Prozent-Regel

Die bekannteste Entnahmeregel besagt: Sie können jährlich 4 Prozent des Anfangsvermögens entnehmen (inflationsbereinigt), ohne dass das Geld in 30 Jahren aufgebraucht ist. Basis: historische US-Marktdaten.

  • Vermögen 300.000 Euro → circa 12.000 Euro jährlich (1.000 Euro monatlich)
  • Vermögen 500.000 Euro → circa 20.000 Euro jährlich (1.667 Euro monatlich)

Für konservativere Planung empfiehlt die Verbraucherzentrale eine 3 bis 3,5 Prozent-Regel — sie bietet mehr Sicherheitspuffer für schlechte Marktphasen und ist besser für das niedrigere europäische Zinsniveau geeignet.

Dynamische Entnahme

Noch besser: Passen Sie die Entnahme an die Marktentwicklung an. In guten Börsenjahren entnehmen Sie etwas mehr, in schlechten Jahren etwas weniger. Das schont das Depot in Krisenzeiten und verlängert die Entnahmedauer erheblich.

Steuerliche Behandlung von ETF-Erträgen

ETF-Erträge werden mit der Abgeltungsteuer besteuert (25 Prozent plus Solidaritätszuschlag, effektiv circa 26,4 Prozent). Bei Aktien-ETFs greift die Teilfreistellung von 30 Prozent: Nur 70 Prozent der Erträge werden besteuert. Die effektive Steuerbelastung beträgt damit circa 18,5 Prozent.

Zum Vergleich: Riester- und Rürup-Renten werden im Alter mit dem vollen persönlichen Steuersatz besteuert (typisch 20 bis 35 Prozent). Der ETF-Sparplan ist steuerlich günstiger.

Zusätzlich gibt es den Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (Einzelperson) bzw. 2.000 Euro (Ehepaare): Erträge bis zu dieser Grenze sind steuerfrei.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel sollte ich monatlich in einen ETF-Sparplan investieren?
Als Faustregel 15 bis 20 Prozent des Nettoeinkommens. Bei 2.500 Euro netto sind das 375 bis 500 Euro. Auch kleinere Beträge lohnen sich: Selbst 100 Euro monatlich ergeben bei 7 Prozent Rendite über 30 Jahre circa 117.000 Euro. Wichtiger als die Höhe ist die Regelmäßigkeit.
Welchen ETF soll ich für die Altersvorsorge wählen?
Einen breit gestreuten Welt-Aktien-ETF, z. B. auf den MSCI World (circa 1.500 Unternehmen aus 23 Ländern) oder den FTSE All-World (circa 4.000 Unternehmen inklusive Schwellenländer). Achten Sie auf niedrige Kosten (TER unter 0,3 Prozent) und ein hohes Fondsvolumen.
Was ist die 4-Prozent-Regel?
Eine Entnahmeregel, die besagt, dass Sie jährlich 4 Prozent Ihres Anfangsvermögens entnehmen können (inflationsbereinigt), ohne dass das Geld in 30 Jahren aufgebraucht ist. Bei 300.000 Euro Vermögen wären das 12.000 Euro jährlich bzw. 1.000 Euro monatlich. Für konservativere Planung empfehlen wir 3 bis 3,5 Prozent.
Ist ein ETF-Sparplan sicher für die Altersvorsorge?
Kein einzelnes Börsenjahr ist sicher — Schwankungen von 30 bis 40 Prozent sind möglich. Aber über 15 Jahre und mehr hat ein breit gestreuter Aktienindex historisch nie Verlust gemacht. Je länger der Anlagehorizont, desto sicherer die positive Rendite. Für die Altersvorsorge (20-40 Jahre) ist das Risiko gut beherrschbar.
Was ist das Pantoffel-Portfolio?
Ein von Stiftung Warentest entwickeltes einfaches Anlagekonzept aus zwei Bausteinen: einem weltweiten Aktien-ETF für Rendite und Tagesgeld für Sicherheit. Das Mischungsverhältnis wird an Alter und Risikobereitschaft angepasst — von 75 Prozent Aktien für Jüngere bis 25 Prozent für Ältere.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 9.5.2026 aktualisiert und redaktionell geprüft.

Redaktionelle Verantwortung: Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen, Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen · Prüfung nach dem Vier-Augen-Prinzip

Quellen: Öffentlich zugängliche Geschäftsberichte, regulatorische Filings, anerkannte Finanzdatenbanken · Keine Anlageberatung i.S.d. § 2 Abs. 8 Nr. 10 WpHG

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