Rürup-Rente: Die gefährlichen Fallstricke der Basisrente
Von Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen
Was ist die Rürup-Rente (Basisrente)?
Die Rürup-Rente (offiziell: Basisrente) wurde 2005 eingeführt und richtet sich primär an Selbstständige und Freiberufler, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Der Hauptvorteil: Beiträge sind steuerlich voll absetzbar — 2024 bis zu 27.566 Euro für Alleinstehende und 55.132 Euro für Verheiratete.
Klingt attraktiv — doch die Rürup-Rente hat gravierende Einschränkungen, die viele Berater verschweigen und die Sie kennen müssen, bevor Sie einen Vertrag abschließen.
Ihr Geld ist für immer gebunden
Der größte Nachteil der Rürup-Rente: Das eingezahlte Kapital ist unwiderruflich gebunden. Im Gegensatz zu einem ETF-Sparplan oder einer privaten Rentenversicherung können Sie:
- Den Vertrag nicht kündigen und das Geld entnehmen
- Das Kapital nicht beleihen (als Sicherheit für Kredite)
- Das Guthaben nicht übertragen
- Das Kapital nicht als Einmalzahlung erhalten — nur als lebenslange monatliche Rente
Selbst in finanziellen Notlagen — Arbeitslosigkeit, Scheidung, schwere Erkrankung — kommen Sie nicht an Ihr Rürup-Geld. Es ist pfändungssicher (ein Vorteil für Selbstständige), aber eben auch für Sie selbst unzugänglich.
Rechenbeispiel: Sie zahlen 20 Jahre lang 500 Euro monatlich ein — insgesamt 120.000 Euro. Dieses Geld können Sie zu keinem Zeitpunkt als Summe abrufen. Sie erhalten es nur als monatliche Rente ab dem frühesten Rentenalter (62 Jahre).
Keine Vererbung: Ihr Geld stirbt mit Ihnen
Sterben Sie vor Rentenbeginn, verfällt das gesamte eingezahlte Kapital. Es geht weder an Ihre Erben noch an Ihren Partner. Einige Tarife bieten eine Hinterbliebenenrente an — aber nur für Ehepartner oder kindergeldberechtigte Kinder, und nur gegen deutlichen Aufpreis, der die ohnehin magere Rendite weiter schmälert.
Sterben Sie kurz nach Rentenbeginn, verfällt ebenfalls das Restkapital. Haben Sie 120.000 Euro eingezahlt, erhalten 300 Euro Monatsrente und sterben nach 2 Jahren, hat der Versicherer 7.200 Euro ausgezahlt — und behält den Rest. Bei einem ETF-Depot würden Ihre Erben das volle Vermögen erben.
Hohe Kosten fressen die Steuerersparnis
Die Kosten von Rürup-Verträgen sind — wie bei den meisten Versicherungsprodukten — erheblich:
- Abschlusskosten: 2,5 bis 5 Prozent der Beitragssumme
- Verwaltungskosten: 1 bis 3 Prozent jährlich
- Effektivkosten: Typisch 1,5 bis 3 Prozent pro Jahr
Die Steuerersparnis beträgt je nach Steuersatz 30 bis 45 Prozent der Einzahlungen. Klingt viel — aber: Die Rente wird im Alter voll versteuert, und die hohen Kosten mindern die Rendite erheblich. Nach Kosten und Steuern bleibt oft weniger, als wenn Sie das Geld nach Steuern direkt in einen ETF investiert hätten.
Wann die Rürup-Rente tatsächlich sinnvoll sein kann
Trotz aller Nachteile gibt es Situationen, in denen Rürup Sinn machen kann:
- Selbstständige mit sehr hohem Einkommen (über 100.000 Euro): Die Steuerersparnis in der Einzahlungsphase ist hoch, und der Steuersatz im Alter vermutlich deutlich niedriger
- Selbstständige, die Pfändungsschutz brauchen: Rürup-Vermögen ist pfändungsgeschützt — für Unternehmer mit Insolvenzrisiko kann das wertvoll sein
- Ergänzung, nicht Ersatz: Als Baustein neben einem ETF-Depot, nicht als alleinige Altersvorsorge
Bessere Alternativen zur Rürup-Rente
- ETF-Sparplan: Volle Flexibilität, niedrige Kosten (0,1-0,5 Prozent), vererbbar, jederzeit verfügbar. Der Nachteil: keine Steuerersparnis beim Einzahlen, aber dafür günstigere Besteuerung bei der Entnahme.
- Freiwillige gesetzliche Rentenversicherung: Selbstständige können freiwillig einzahlen. Beiträge sind steuerlich absetzbar, und die gesetzliche Rente bietet bessere Hinterbliebenenleistungen als Rürup.
- Immobilien: Mietfreies Wohnen im Alter senkt die Ausgaben erheblich. Eine schuldenfreie Immobilie ist faktisch Altersvorsorge.
Fazit der Verbraucherzentrale
Die Rürup-Rente ist ein Nischenprodukt für gutverdiende Selbstständige. Für die meisten Sparer sind die Nachteile — lebenslange Bindung, keine Vererbung, hohe Kosten, nur Rentenzahlung — zu gravierend. Die Steuerersparnis beim Einzahlen wird durch die hohen Kosten und die volle Besteuerung im Alter oft mehr als aufgezehrt. Setzen Sie lieber auf flexible und kostengünstige Alternativen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der größte Nachteil der Rürup-Rente?▾
Wird das Rürup-Guthaben vererbt?▾
Für wen lohnt sich Rürup?▾
Kann ich einen Rürup-Vertrag kündigen?▾
Wie hoch ist die Steuerersparnis bei Rürup?▾
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Dieser Artikel wurde zuletzt am 9.5.2026 aktualisiert und redaktionell geprüft.
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