Kontowechsel: So wechseln Sie Ihre Bank in 7 Schritten
Von Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen
Kontowechsel leicht gemacht: Warum sich ein Wechsel lohnt
Viele Verbraucher scheuen den Kontowechsel, obwohl er sich finanziell lohnt: Durch den Wechsel zu einer günstigeren Bank können Sie 50 bis 200 Euro pro Jahr sparen. Trotzdem bleibt die Wechselquote in Deutschland niedrig — aus Angst vor bürokratischem Aufwand oder der Sorge, dass Zahlungen verloren gehen.
Seit dem 18. September 2016 haben Verbraucher jedoch einen gesetzlichen Anspruch auf Kontowechselhilfe. Das Zahlungskontengesetz (ZKG) verpflichtet Banken, den Wechsel aktiv zu unterstützen. Zusätzlich bieten viele Banken einen digitalen Kontowechselservice an, der den Prozess weitgehend automatisiert. Ein vollständiger Kontowechsel ist heute in 7 bis 14 Werktagen machbar.
Gesetzliche Kontowechselhilfe nach dem Zahlungskontengesetz
Das Zahlungskontengesetz (ZKG, §§ 20–26) regelt die Pflichten der beteiligten Banken beim Kontowechsel:
- Die alte Bank muss Ihnen innerhalb von 5 Geschäftstagen eine Liste aller Daueraufträge, Lastschriftmandate und eingehenden Überweisungen der letzten 13 Monate bereitstellen.
- Die neue Bank muss die Daueraufträge übernehmen, Zahlungspartner über die neue IBAN informieren und fehlgeleitete Zahlungen auf der alten IBAN umleiten lassen.
- Beide Banken haften für Schäden, die durch Verzögerungen oder Fehler bei der Kontowechselhilfe entstehen.
- Die Kontowechselhilfe ist für Verbraucher kostenlos. Die alte Bank darf kein Entgelt für die Informationsbereitstellung verlangen.
Wichtig: Sie müssen die Kontowechselhilfe bei Ihrer neuen Bank beantragen. Diese koordiniert dann den Prozess mit Ihrer alten Bank. Voraussetzung ist Ihre schriftliche Autorisierung (meist ein Formular, das bei Kontoeröffnung vorgelegt wird).
Kontowechsel in 7 Schritten: Die vollständige Anleitung
Schritt 1: Neues Konto eröffnen
Eröffnen Sie zunächst Ihr neues Girokonto — online oder in der Filiale. Legitimieren Sie sich per VideoIdent oder PostIdent. Die Kontoeröffnung dauert in der Regel 1–3 Werktage, bis Sie Ihre Zugangsdaten und die neue IBAN erhalten.
Schritt 2: Kontowechselhilfe beauftragen
Beauftragen Sie bei der neuen Bank die gesetzliche Kontowechselhilfe oder nutzen Sie den digitalen Kontowechselservice. Unterschreiben Sie die Autorisierung, damit die neue Bank bei Ihrer alten Bank Informationen einholen darf.
Schritt 3: Zahlungspartner-Liste erhalten
Ihre alte Bank erstellt eine Übersicht aller Daueraufträge, Lastschriften und regelmäßigen Gutschriften der letzten 13 Monate. Prüfen Sie diese Liste sorgfältig und ergänzen Sie fehlende Zahlungspartner.
Schritt 4: Daueraufträge umstellen
Löschen Sie die Daueraufträge beim alten Konto und richten Sie sie beim neuen Konto ein. Die neue Bank übernimmt das für Sie, wenn Sie die Kontowechselhilfe nutzen.
Schritt 5: Lastschriftgeber informieren
Teilen Sie allen Unternehmen, die per Lastschrift von Ihrem Konto abbuchen, Ihre neue IBAN mit. Dazu gehören: Vermieter, Versicherungen, Stromversorger, Telefonanbieter, Streaming-Dienste, Fitnessstudios, Vereine und Finanzamt.
Schritt 6: Arbeitgeber und regelmäßige Zahler informieren
Teilen Sie Ihrem Arbeitgeber, der Familienkasse (Kindergeld), der Rentenversicherung und anderen Stellen, die Ihnen regelmäßig Geld überweisen, Ihre neue Bankverbindung mit.
Schritt 7: Altes Konto überwachen und schließen
Lassen Sie Ihr altes Konto für mindestens 3 Monate parallel laufen. So erkennen Sie, ob noch Buchungen über die alte IBAN laufen. Erst wenn keine Bewegungen mehr stattfinden, schließen Sie das alte Konto.
Der digitale Kontowechselservice
Neben der gesetzlichen Kontowechselhilfe bieten viele Banken einen automatisierten Kontowechselservice an, der von Dienstleistern wie finAPI oder fino bereitgestellt wird. Der Ablauf:
- Sie geben der neuen Bank (oder dem Dienstleister) per PSD2-Schnittstelle Lesezugriff auf Ihr altes Konto.
- Der Service analysiert automatisch alle regelmäßigen Zahlungspartner der letzten Monate.
- Sie wählen aus, welche Zahlungspartner Sie informieren und welche Daueraufträge übertragen werden sollen.
- Der Service versendet automatisch Mitteilungen an Ihre Zahlungspartner mit der neuen IBAN.
Vorteil: Der Service ist schneller und komfortabler als die manuelle Umstellung. Die meisten Banken bieten ihn kostenlos an. Nachteil: Nicht alle Zahlungspartner werden automatisch erkannt — kontrollieren Sie die Liste und ergänzen Sie fehlende Stellen manuell.
Daueraufträge und Lastschriften umstellen
Die korrekte Umstellung von Daueraufträgen und Lastschriften ist der kritischste Teil des Kontowechsels. Fehler können zu Rücklastschriften, Mahnungen oder sogar Vertragskündigungen führen.
Daueraufträge
Daueraufträge laufen über Ihre Bank — Sie können sie einfach beim alten Konto löschen und beim neuen Konto neu einrichten. Achten Sie auf den richtigen Zeitpunkt: Der neue Dauerauftrag sollte aktiv sein, bevor der alte endet. Eine doppelte Zahlung ist weniger problematisch als eine fehlende.
SEPA-Lastschriften
Bei Lastschriften erteilen Sie dem Zahlungsempfänger ein Mandat, Geld von Ihrem Konto abzubuchen. Beim Kontowechsel müssen Sie dem Empfänger Ihre neue IBAN mitteilen. Ein neues Mandat ist laut SEPA-Regelwerk nicht nötig — die Aktualisierung der Bankverbindung genügt. In der Praxis verlangen manche Unternehmen dennoch ein neues Mandat.
Tipp: Beginnen Sie mit den wichtigsten Lastschriften: Miete, Strom, Versicherungen, Krankenkasse. Weniger zeitkritische Abbuchungen (Streaming, Abos) können Sie später umstellen.
IBAN ändern: Wen Sie informieren müssen
Eine vollständige Liste aller Stellen, die Ihre neue IBAN benötigen:
- Arbeitgeber — für die Gehaltsüberweisung
- Finanzamt — für Steuererstattungen und Vorauszahlungen
- Familienkasse — für Kindergeld
- Rentenversicherung — für Rentenzahlungen
- Krankenkasse — Beiträge und Erstattungen
- Vermieter — Mietüberweisung oder -lastschrift
- Stadtwerke/Energieversorger — Strom, Gas, Wasser
- Telekommunikation — Festnetz, Mobilfunk, Internet
- Versicherungen — Haftpflicht, Kfz, Hausrat, Leben, etc.
- Streaming und Abos — Netflix, Spotify, Zeitschriften
- PayPal, Amazon, eBay — hinterlegte Bankverbindung aktualisieren
- Vereine und Fitnessstudios
- GEZ/Beitragsservice
- Finanzprodukte — Depot, Bausparer, Kreditverträge
Zeitplan: Wie lange dauert der Kontowechsel?
Ein realistischer Zeitplan für den vollständigen Kontowechsel:
- Tag 1–3: Neues Konto eröffnen, Legitimation durchführen
- Tag 3–5: Zugangsdaten erhalten, Kontowechselservice beauftragen
- Tag 5–10: Liste der Zahlungspartner erhalten, Daueraufträge und Lastschriften umstellen
- Tag 10–14: Zahlungspartner über neue IBAN informieren
- Tag 14–90: Parallelphase — altes Konto überwachen, Restbuchungen umleiten
- Ab Tag 90: Altes Konto schließen
Die gesetzliche Kontowechselhilfe schreibt der alten Bank eine Frist von 5 Geschäftstagen für die Bereitstellung der Zahlungspartner-Liste vor. Der Kontowechselservice ist oft schneller — innerhalb von 24–48 Stunden können die ersten Informationsschreiben versendet werden.
Häufige Fallstricke beim Kontowechsel vermeiden
Diese typischen Fehler sollten Sie beim Kontowechsel unbedingt vermeiden:
- Altes Konto zu früh schließen: Warten Sie mindestens 3 Monate, besser 6 Monate. Jährliche Lastschriften (z. B. Kfz-Versicherung im November, GEZ-Beitrag) werden leicht vergessen.
- Konto ohne Guthaben lassen: Halten Sie auf dem alten Konto einen Puffer von mindestens 500 Euro bereit, damit Lastschriften nicht platzen.
- PayPal und Online-Shops vergessen: Die hinterlegte Bankverbindung bei PayPal, Amazon, eBay und anderen Online-Diensten wird oft übersehen.
- SEPA-Mandate nicht aktualisieren: Informieren Sie aktiv jeden Lastschriftgeber — warten Sie nicht darauf, dass der Kontowechselservice alles übernimmt.
- Laufende Kredite ignorieren: Wenn auf dem alten Konto ein Kredit läuft, muss die Umstellung mit der kreditgebenden Bank abgestimmt werden.
- Depot-Anbindung vergessen: Wenn Ihr Wertpapierdepot mit dem alten Konto verknüpft ist, müssen Sie das Verrechnungskonto ändern.
Altes Konto richtig schließen
Wenn Sie sicher sind, dass alle Zahlungen über das neue Konto laufen, können Sie das alte Konto kündigen:
- Kündigung schriftlich einreichen — per Brief, E-Mail oder in der Filiale. Ein Kündigungsformular ist nicht erforderlich; ein formloses Schreiben genügt.
- Restguthaben überweisen lassen: Geben Sie die neue IBAN für die Überweisung des Restguthabens an.
- Karten zurückgeben oder vernichten: Girocard und Kreditkarten des alten Kontos müssen zurückgegeben oder zerschnitten werden.
- Kündigungsbestätigung anfordern: Lassen Sie sich die Kontoschließung schriftlich bestätigen.
- Kontoauszüge archivieren: Bewahren Sie die Kontoauszüge des alten Kontos mindestens 3 Jahre auf (steuerliche Aufbewahrungsfrist).
Die Kündigung eines Girokontos ist laut § 675h BGB jederzeit ohne Einhaltung einer Frist möglich. Die Bank darf keine Kündigungsgebühr verlangen.
Praxistipps für einen reibungslosen Wechsel
- Gehalt zuerst umstellen: Stellen Sie als Erstes die Gehaltsüberweisung auf das neue Konto um — so stellen Sie sicher, dass das neue Konto gedeckt ist.
- Excel-Liste führen: Erstellen Sie eine Tabelle mit allen Zahlungspartnern, der alten IBAN, der neuen IBAN und dem Status der Umstellung (erledigt/offen).
- Wechsel nicht zum Jahresende: Vermeiden Sie den Kontowechsel im November/Dezember — in dieser Zeit fallen viele jährliche Abbuchungen an.
- Testüberweisung machen: Überweisen Sie sich selbst einen kleinen Betrag auf das neue Konto, um zu prüfen, ob alles funktioniert.
- Benachrichtigungen aktivieren: Richten Sie Push-Benachrichtigungen für Kontobewegungen auf beiden Konten ein, damit Sie sofort merken, wenn noch Buchungen über die alte IBAN laufen.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert ein Kontowechsel?▾
Was kostet der Kontowechsel?▾
Muss ich ein neues SEPA-Mandat erteilen, wenn ich die Bank wechsle?▾
Was passiert, wenn eine Lastschrift noch vom alten Konto abgebucht wird?▾
Kann ich mein Konto fristlos kündigen?▾
Was tun, wenn die alte Bank den Kontowechsel verzögert?▾
Ändert sich durch den Kontowechsel meine Schufa?▾
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Dieser Artikel wurde zuletzt am 10.5.2026 aktualisiert und redaktionell geprüft.
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