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GeldanlageAktualisiert: 9. Mai 202611 Min. Lesezeit

Geldanlage für Kinder: So bauen Sie Vermögen für den Nachwuchs auf

Von Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen

Stand: 09.05.2026Redaktion: Verbraucherzentrale Finanzen und VersicherungenPrüfung: Vier-Augen-Prinzip
Quellen geprüftKeine Affiliate-Links

Das Junior-Depot

Ein Junior-Depot ist ein Wertpapierdepot, das auf den Namen des Kindes eröffnet wird. Die Eltern verwalten es als gesetzliche Vertreter bis zur Volljährigkeit – dann geht die Verfügungsgewalt an das Kind über.

Vorteile des Junior-Depots:

  • Eigener Sparerpauschbetrag des Kindes (1.000 €/Jahr steuerfrei)
  • Eigener Grundfreibetrag (ca. 11.600 €/Jahr, wenn kein weiteres Einkommen)
  • Sehr langer Anlagehorizont (Geburt bis 18 = optimale Voraussetzung)
  • Frühzeitige Finanzbildung: Kind sieht Depot-Entwicklung

Junior-Depot-Anbieter:

  • Consorsbank: Junior-Depot mit breiter ETF-Auswahl, Sparplan ab 10 €
  • Comdirect: Junior-Depot mit guter App-Integration
  • ING: Direkt-Depot Junior, kostenlose ETF-Sparpläne
  • DKB: U18-Depot mit günstigen Konditionen

Achtung: Nicht alle Broker bieten Junior-Depots an – bei Neobrokern (Trade Republic, Scalable) gibt es diese Option bisher nicht. Hier muss auf eine Direktbank ausgewichen werden.

Rechtliche Aspekte

Eigentum des Kindes: Geld, das auf ein Junior-Depot eingezahlt wird, gehört dem Kind. Eltern verwalten es treuhänderisch und dürfen es nur zum Wohl des Kindes verwenden. Eine Entnahme für eigene Zwecke ist rechtlich unzulässig.

Kinderfreistellungsauftrag:

  • Kinder haben einen eigenen Sparerpauschbetrag von 1.000 €
  • Richten Sie einen Freistellungsauftrag für das Junior-Depot ein
  • Zusätzlich: NV-Bescheinigung (Nichtveranlagungs-Bescheinigung) beim Finanzamt beantragen – damit bleiben alle Erträge bis zum Grundfreibetrag (ca. 11.600 €) steuerfrei

Vorsicht bei BAföG und Krankenversicherung:

  • Vermögen über 15.000 € auf dem Namen des Kindes kann BAföG-Ansprüche mindern
  • Bei hohem Depot-Wert (z. B. 30.000 €+) könnte die kostenlose Familienversicherung in der GKV entfallen
  • Abwägung: Depot auf Eltern-Namen (steuerlich schlechter, aber kein BAföG-Problem) vs. Junior-Depot (steuerlich besser, aber potenzielle BAföG-Einbuße)

Der lange Zeithorizont

Der entscheidende Vorteil bei der Geldanlage für Kinder: Zeit. 18 Jahre Anlagehorizont sind für Aktien-ETFs ideal – historisch hat ein breit gestreuter Welt-ETF über 15+ Jahre nie Verlust gemacht.

Das bedeutet: Sie können eine 100 % Aktienquote wählen. Zwischenzeitliche Kursverluste von 30–50 % (wie 2008 oder 2020) sind bei 18 Jahren Horizont irrelevant – sie werden immer wieder aufgeholt.

Selbst das schlimmste historische Szenario (Start direkt vor einer großen Krise) führt über 18 Jahre zu positiven Renditen bei breit gestreuten Indizes.

ETF-Sparplan für Kinder

Empfehlung der Verbraucherzentrale:

  • Ein einziger breit gestreuter Welt-ETF (thesaurierend bis Sparerpauschbetrag ausgenutzt, dann ggf. ausschüttend)
  • Monatlicher Sparplan: Schon 50 €/Monat reichen für einen beachtlichen Vermögensaufbau
  • Großeltern, Paten und Verwandte können per Dauerauftrag zum Sparplan beitragen

Rechenbeispiele (7 % durchschnittliche Rendite p.a.):

  • 50 €/Monat über 18 Jahre: ca. 22.000 € (eingezahlt: 10.800 €)
  • 100 €/Monat über 18 Jahre: ca. 44.000 € (eingezahlt: 21.600 €)
  • 200 €/Monat über 18 Jahre: ca. 88.000 € (eingezahlt: 43.200 €)
  • 25 €/Monat + 5.000 € Startkapital über 18 Jahre: ca. 28.000 € (eingezahlt: 10.400 €)

Das ist die Macht des Zinseszinses über einen langen Zeitraum – Ihr Kind startet mit einem enormen finanziellen Vorsprung ins Erwachsenenleben.

Warnung vor Versicherungsprodukten

Die Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich vor folgenden Produkten für Kinder:

  • Ausbildungsversicherung: Hohe Kosten (Abschluss- und Verwaltungsgebühren fressen 20–40 % der Einzahlungen in den ersten Jahren), unflexibel, niedrige Rendite. Ein ETF-Sparplan ist in jeder Hinsicht überlegen.
  • Kindervorsorge-Policen: Kombination aus Versicherung und Sparvertrag – das Schlechteste aus beiden Welten. Hohe Kosten, niedrige Rendite, lange Bindung.
  • Bausparverträge für Babys: Überteuert, unflexibel, und ob ein Kind in 18 Jahren eine Immobilie kaufen möchte, ist völlig ungewiss.

Warum sind diese Produkte so verbreitet? Weil Versicherungsvertreter hohe Provisionen daran verdienen (oft 3–5 % der Beitragssumme). Ein ETF-Sparplan bringt dem Berater keine Provision – deshalb wird er selten empfohlen.

18 Jahre Zinseszins

Die wahre Magie der Kinderdepot-Anlage liegt im exponentiellen Wachstum über fast zwei Jahrzehnte:

  • 100 € monatlich ab Geburt bei 7 % Rendite = 44.000 € zum 18. Geburtstag
  • Davon eingezahlt: 21.600 € – der Rest (22.400 €) ist reiner Zinseszins-Ertrag
  • Das gleiche Kind startet mit 25 erst mit dem Sparen und braucht dann 200 €/Monat bis 65, um auf ähnliche Ergebnisse zu kommen

Der frühzeitige Start ist der größte finanzielle Vorteil, den Eltern ihren Kindern mitgeben können – wichtiger als der Betrag ist die Zeit im Markt.

Verwendung zum 18. Geburtstag:

  • Führerschein, Studium, erste Wohnung – oder weiter investieren lassen
  • Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Kind über Finanzen und die Bedeutung des Depots
  • Viele Eltern befürchten, das Kind gibt alles sofort aus – Finanzbildung ab dem Jugendalter beugt dem vor

Häufig gestellte Fragen

Soll ich das Depot auf den Namen des Kindes eröffnen?
Steuerlich ist ein Junior-Depot vorteilhaft (eigener Sparerpauschbetrag 1.000 €). Nachteil: Das Geld gehört dem Kind und kann BAföG-Ansprüche mindern. Wenn Sie sicher wissen, dass kein BAföG benötigt wird, ist das Junior-Depot optimal. Sonst: eigenes Depot nutzen und das Geld zum 18. Geburtstag übertragen.
Was passiert mit dem Junior-Depot, wenn das Kind 18 wird?
Mit Volljährigkeit erhält das Kind die volle Verfügungsgewalt über das Depot. Es kann frei über Verkauf, Kauf und Entnahme entscheiden. Eltern haben ab diesem Zeitpunkt keinen Zugriff mehr. Beginnen Sie frühzeitig mit Finanzbildung, damit Ihr Kind verantwortungsvoll mit dem Vermögen umgeht.
Wie viel sollte man monatlich für ein Kind sparen?
Schon 25–50 € monatlich bewirken über 18 Jahre viel (25 €/Monat → ca. 11.000 €, 50 €/Monat → ca. 22.000 € bei 7 % Rendite). Wählen Sie einen Betrag, der Ihr Budget nicht belastet – Regelmäßigkeit ist wichtiger als die Höhe. Einmalige Geschenke (Taufe, Geburtstage) können zusätzlich eingezahlt werden.
Welchen ETF wähle ich für ein Kinderdepot?
Einen breit gestreuten Welt-ETF mit niedriger TER und physischer Replikation. Empfehlung: Vanguard FTSE All-World (IE00BK5BQT80, TER 0,22 %) oder iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983, TER 0,20 %). Bei 18 Jahren Anlagehorizont können Sie 100 % Aktienquote wählen.
Sollen Großeltern auf das Junior-Depot einzahlen?
Ja, das ist eine hervorragende Alternative zu materiellen Geschenken. Großeltern können einen eigenen Dauerauftrag auf das Verrechnungskonto des Junior-Depots einrichten. Steuerlich: Schenkungen an Enkelkinder sind bis 200.000 € pro Großelternteil innerhalb von 10 Jahren steuerfrei.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 9.5.2026 aktualisiert und redaktionell geprüft.

Redaktionelle Verantwortung: Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen, Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen · Prüfung nach dem Vier-Augen-Prinzip

Quellen: Öffentlich zugängliche Geschäftsberichte, regulatorische Filings, anerkannte Finanzdatenbanken · Keine Anlageberatung i.S.d. § 2 Abs. 8 Nr. 10 WpHG

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