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Kredite & SchuldenAktualisiert: 9. Mai 202610 Min. Lesezeit

Buy Now, Pay Later: Warnung vor der Schuldenfalle

Von Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen

Stand: 09.05.2026Redaktion: Verbraucherzentrale Finanzen und VersicherungenPrüfung: Vier-Augen-Prinzip
Quellen geprüftKeine Affiliate-Links

Was ist Buy Now, Pay Later?

Buy Now, Pay Later (BNPL) – auf Deutsch „Jetzt kaufen, später bezahlen“ – bezeichnet Zahlungsdienste, die Käufe im Internet in Raten oder mit verzögerter Zahlung ermöglichen. Was als bequeme Zahlungsoption vermarktet wird, ist in Wirklichkeit nichts anderes als ein Konsumentenkredit ohne die üblichen Schutzvorschriften.

Die Funktionsweise ist einfach: Sie bestellen online, der BNPL-Anbieter bezahlt den Händler sofort, und Sie zahlen den Betrag später – in Raten oder nach 30 Tagen. Für den Verbraucher fühlt es sich nicht wie ein Kredit an, psychologisch wird die Zahlung vom Kauf entkoppelt. Genau darin liegt die Gefahr.

Laut einer Studie der Bundesbank nutzen bereits über 30 % der 18- bis 35-Jährigen regelmäßig BNPL-Dienste. Die Schuldnerberatungen verzeichnen einen dramatischen Anstieg von Fällen, in denen BNPL-Schulden eine zentrale Rolle spielen.

Die größten BNPL-Anbieter

Der Markt wird von wenigen großen Anbietern dominiert:

  • Klarna: Marktführer in Deutschland mit »Rechnung“ (30 Tage), „Ratenkauf“ (3–36 Monate) und „Sofortüberweisung«. Über 150.000 Partnergeschäfte in Deutschland.
  • PayPal „Zahlung in 30 Tagen“ / „Ratenzahlung": Integriert in das bestehende PayPal-Konto. Raten von 3–24 Monaten möglich. Sehr niedrige Hemmschwelle durch bestehendes Konto.
  • Afterpay (Riverty): Bietet Zahlung in 3 zinsfreien Raten. Formerly Afterpay, jetzt unter dem Markennamen Riverty.
  • Billie / Ratepay: Vor allem im B2B-Bereich und bei größeren Onlineshops aktiv.

Die Anbieter verdienen auf zwei Wegen: Erstens durch Gebühren, die der Händler zahlt (3–6 % des Warenwertes). Zweitens – und deutlich lukrativer – durch Verzugszinsen und Mahngebühren bei verspäteter Zahlung durch den Verbraucher.

Wie BNPL zur Überschuldung führt

BNPL nutzt systematisch psychologische Schwächen aus:

  • Entkopplung von Kauf und Zahlung: Studien zeigen, dass Verbraucher mit BNPL 30–40 % mehr ausgeben als bei sofortiger Zahlung. Das Gehirn registriert keinen „Schmerz“ beim Kauf.
  • Verlust der Übersicht: Wer bei 5 verschiedenen Shops per BNPL kauft, hat schnell 10–15 offene Zahlungen gleichzeitig – ohne zentrale Übersicht.
  • Trügerische Kleinbeträge: „Nur 29,99 € in 3 Raten“ klingt harmlos. Aber 10 solcher Käufe ergeben 300 € monatliche Belastung – die schnell das Budget sprengt.
  • Keine Bonitätsprüfung: Viele BNPL-Anbieter führen nur minimale oder gar keine Bonitätsprüfungen durch. Das ermöglicht Überschuldung ohne jede Warnung.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat BNPL als „signifikantes Verbraucherrisiko“ eingestuft und warnt explizit vor den Überschuldungsgefahren.

BNPL ist ein Kredit

Rechtlich und wirtschaftlich ist BNPL ein Kredit – auch wenn die Anbieter den Begriff vermeiden. Der entscheidende Unterschied: Für klassische Verbraucherkredite gelten strenge Regeln (Kreditwürdigkeitsprüfung, Widerrufsrecht, standardisierte Informationen). BNPL-Anbieter umgehen diese Vorschriften teilweise durch geschickte rechtliche Konstruktionen.

Die EU hat mit der neuen Verbraucherkreditrichtlinie (2023) reagiert und BNPL-Anbieter künftig den gleichen Regeln wie Banken unterworfen – die Umsetzung in nationales Recht steht in Deutschland jedoch noch aus. Bis dahin genießen Verbraucher bei BNPL weniger Schutz als bei einem klassischen Ratenkredit.

Wichtig zu wissen: Auch BNPL-Zahlungen können an die SCHUFA gemeldet werden. Klarna hat 2022 begonnen, Zahlungsinformationen an die SCHUFA zu übermitteln. Verspätete BNPL-Zahlungen können Ihren Score verschlechtern.

Die Schuldenspirale in der Praxis

Ein reales Beispiel aus der Schuldnerberatung: Eine 18-jährige Auszubildende hatte innerhalb von 8 Monaten 3.100 € BNPL-Schulden angesammelt – verteilt auf Klarna, PayPal und Afterpay. Bei einem Ausbildungsgehalt von 850 € netto war die Situation aussichtslos.

Der typische Ablauf einer BNPL-Schuldenspirale:

  1. Erste Bestellungen auf Rechnung – alles scheint problemlos
  2. Gewöhnung: Immer häufigere BNPL-Käufe, zunehmend ohne echten Bedarf
  3. Erste Zahlungsschwierigkeiten: Raten werden gestreckt, neue BNPL-Käufe sollen „überbrücken"
  4. Mahnungen und Inkasso: Zusätzliche Kosten von 30–50 € pro Mahnung
  5. Einträge bei Auskunfteien: Neue Kredite werden schwieriger, Vermieter lehnen ab
  6. Vollständiger Kontrollverlust: Mehrere Inkassoverfahren gleichzeitig

Schuldnerberatungen berichten, dass das Durchschnittsalter ihrer BNPL-Klienten bei 23 Jahren liegt – deutlich jünger als bei klassischen Überschuldungsfällen.

Fehlende Regulierung

Deutschland hinkt bei der BNPL-Regulierung hinterher. Während Großbritannien und Australien bereits strenge Regeln eingeführt haben, fehlen hierzulande:

  • Verpflichtende Bonitätsprüfung: Nicht bei allen BNPL-Anbietern Standard
  • Maximale Verschuldungsgrenzen: Keine Obergrenze für offene BNPL-Beträge pro Person
  • Zentrale Erfassung: Kein Register, das alle BNPL-Verbindlichkeiten einer Person zusammenführt
  • Warnhinweise: Keine Pflicht zu deutlichen Risikohinweisen beim Checkout
  • Mindestalter-Prüfung: Oft unzureichende Altersverifikation

Die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie wird viele dieser Lücken schließen – aber erst ab 2025/2026 in nationales Recht umgesetzt. Bis dahin liegt die Verantwortung beim Verbraucher selbst.

So schützen Sie sich

Die Verbraucherzentrale empfiehlt folgende Schutzmaßnahmen:

  • Grundregel: Kaufen Sie nur, was Sie sofort bezahlen können. Wenn das Geld nicht reicht, ist der Kauf zu teuer.
  • BNPL deaktivieren: Entfernen Sie BNPL-Optionen aus Ihren Zahlungsprofilen, wo möglich. Nutzen Sie Browser-Erweiterungen, die BNPL-Buttons ausblenden.
  • Wartezeit einführen: Warten Sie 48 Stunden vor jedem Online-Kauf über 50 €. In den meisten Fällen vergeht der Kaufimpuls.
  • Budget-App nutzen: Erfassen Sie alle offenen BNPL-Zahlungen in einer Budget-App, um die Übersicht zu behalten.
  • Jugendliche aufklären: Sprechen Sie mit jungen Erwachsenen über die Risiken von BNPL – sie sind die Hauptzielgruppe der Anbieter.

Wenn Sie bereits in BNPL-Schulden stecken: Kontaktieren Sie sofort eine kostenlose Schuldnerberatung (z. B. über die Verbraucherzentrale oder die Caritas). Je früher Sie handeln, desto mehr Optionen haben Sie.

Häufig gestellte Fragen

Ist Buy Now, Pay Later wirklich ein Kredit?
Ja. Wirtschaftlich betrachtet ist jede verzögerte Zahlung ein Kredit – der BNPL-Anbieter gewährt Ihnen eine Stundung. Rechtlich wird BNPL durch die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie künftig als Kredit reguliert. Die Verbraucherzentrale behandelt BNPL grundsätzlich als Kreditprodukt.
Wird BNPL-Nutzung an die SCHUFA gemeldet?
Zunehmend ja. Klarna hat 2022 damit begonnen, positive und negative Zahlungsinformationen an die SCHUFA zu übermitteln. Verspätete Zahlungen oder Inkassofälle werden definitiv gemeldet und verschlechtern Ihren Score. Selbst ordnungsgemäße BNPL-Nutzung kann die Kreditwürdigkeit beeinflussen.
Ab wann wird BNPL-Nutzung problematisch?
Warnsignale sind: mehr als 3 offene BNPL-Raten gleichzeitig, BNPL-Käufe für Alltagsgüter (Lebensmittel, Drogerieartikel), Nutzung von BNPL um den Monat finanziell zu überbrücken, oder wenn Sie den Überblick über offene Zahlungen verloren haben.
Welche Kosten entstehen bei verspäteter BNPL-Zahlung?
Je nach Anbieter fallen Mahngebühren von 1,20–4,60 € pro Mahnung an, Verzugszinsen von bis zu 12 % p.a., und bei Übergabe an ein Inkassounternehmen zusätzliche Inkassogebühren von 30–50 € oder mehr. Ein ursprünglich 50-€-Kauf kann so schnell auf 100–150 € anwachsen.
Gibt es seriöse Anwendungsfälle für BNPL?
Die zinsfreie Zahlung auf Rechnung (30 Tage) kann sinnvoll sein, wenn Sie Ware erst anprobieren möchten – aber nur, wenn Sie den Betrag bereits auf dem Konto haben und pünktlich zahlen. Ratenzahlungen über BNPL sind fast nie sinnvoller als ein Ratenkredit mit festem Zinssatz und klaren Vertragsbedingungen.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 9.5.2026 aktualisiert und redaktionell geprüft.

Redaktionelle Verantwortung: Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen, Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen · Prüfung nach dem Vier-Augen-Prinzip

Quellen: Öffentlich zugängliche Geschäftsberichte, regulatorische Filings, anerkannte Finanzdatenbanken · Keine Anlageberatung i.S.d. § 2 Abs. 8 Nr. 10 WpHG

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