Anlagebetrug mit Prominenten: Gefälschte Werbung erkennen
Von Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen
Anlagebetrug mit Prominenten: Ein wachsendes Problem
Eine der perfidesten Betrugsmaschen im Internet ist die Nutzung prominenter Persönlichkeiten zur Bewerbung betrügerischer Anlageprodukte. Betrüger erstellen gefälschte Nachrichtenartikel, Social-Media-Posts und zunehmend auch KI-generierte Videos, in denen bekannte Persönlichkeiten angeblich eine Trading-Plattform oder Kryptowährung empfehlen. Diese Werbung ist ausnahmslos gefälscht.
Die Verbraucherzentrale registriert einen massiven Anstieg dieser Betrugsform. Die Anzeigen erscheinen in Social-Media-Feeds, als gesponserte Beiträge bei Google und als Pop-up-Werbung auf seriösen Nachrichtenportalen. Durch die Nutzung bekannter Gesichter wird ein Vertrauensvorschuss erzeugt, der viele Menschen dazu verleitet, auf die Anzeigen zu klicken und Geld einzuzahlen.
Deepfakes und KI-generierte Fälschungen
Durch Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz haben die Fälschungen ein neues Qualitätsniveau erreicht:
Deepfake-Videos: KI-generierte Videos zeigen Prominente, die scheinbar persönlich eine Anlage empfehlen. Mimik, Lippenbewegungen und Stimme werden täuschend echt nachgeahmt. Selbst für geübte Beobachter sind diese Fälschungen auf den ersten Blick schwer zu erkennen. Die Technologie hat sich seit 2023 rasant entwickelt — die Erstellung solcher Videos erfordert nur noch wenige Stunden und minimale technische Kenntnisse.
KI-generierte Testimonials: Gefälschte Erfahrungsberichte werden massenhaft durch Sprachmodelle generiert und auf Bewertungsportalen, in Foren und sozialen Medien verbreitet. Sie wirken authentisch, enthalten persönliche Details und beschreiben angebliche Gewinne in konkreten Zahlen.
Gefälschte Interviews: KI erstellt täuschend echte Interviews, in denen Prominente angeblich über ihre Anlagestrategie sprechen und eine bestimmte Plattform empfehlen. Diese werden als Videos, Podcasts oder Textinterviews verbreitet.
Gefälschte Nachrichtenartikel
Eine besonders wirksame Methode sind gefälschte Nachrichtenartikel, die das Layout und Design bekannter Medien imitieren:
- Design-Kopien: Die Betrüger kopieren das Layout von Spiegel, Bild, Tagesschau, ZDF oder Focus und erstellen Artikel, die optisch kaum von echten Nachrichtenbeiträgen zu unterscheiden sind.
- Clickbait-Überschriften: „Frank Thelen verrät sein Geheimnis — Banken sind entsetzt" oder „Günther Jauch: So wurde ich in 3 Monaten Millionär" — reißerische Überschriften, die Neugier wecken.
- Gefälschte Zitate: Den Prominenten werden Aussagen in den Mund gelegt, die sie nie getätigt haben, inklusive angeblicher persönlicher Erfahrungen mit der beworbenen Plattform.
- Professionelle URLs: Die Fake-Artikel werden auf Domains gehostet, die den echten Nachrichtenportalen ähneln (z. B. „spiegel-exklusiv.net" statt „spiegel.de").
Häufig missbrauchte Prominente in Deutschland
Besonders häufig werden in Deutschland folgende Persönlichkeiten für Anlagebetrug missbraucht:
- Günther Jauch: Sein Name und Bild tauchen in unzähligen gefälschten Werbeanzeigen für Bitcoin-Trading-Plattformen auf. Jauch hat wiederholt rechtliche Schritte gegen die Betreiber eingeleitet.
- Frank Thelen: Als bekannter Investor aus „Die Höhle der Löwen" ist er ein bevorzugtes Ziel. Gefälschte Artikel zitieren ihn mit angeblichen Empfehlungen für Krypto-Plattformen.
- Elon Musk: International die am häufigsten für Krypto-Betrug missbrauchte Person. Gefälschte Tweets und Videos verbreiten sich massenhaft.
- Thomas Gottschalk: Ebenfalls häufig Opfer gefälschter Werbeanzeigen für Trading-Plattformen.
- Markus Lanz, Ina Müller, Dieter Bohlen: Weitere deutsche Prominente, deren Namen und Bilder regelmäßig missbraucht werden.
Alle genannten Personen haben sich öffentlich von diesen Werbeanzeigen distanziert. Kein seriöser Prominenter wirbt für unbekannte Trading-Plattformen oder Kryptowährungen.
Fälschungen erkennen und verifizieren
So entlarven Sie gefälschte Prominenten-Werbung:
- URL prüfen: Handelt es sich wirklich um spiegel.de, bild.de oder tagesschau.de? Oder ist die Domain leicht verändert?
- Quellen-Check: Suchen Sie die angebliche Nachricht auf der offiziellen Webseite des Mediums. Wird sie dort nicht gefunden, ist sie gefälscht.
- Deepfake-Erkennung: Achten Sie bei Videos auf unnatürliche Gesichtsbewegungen, Unschärfe am Haaransatz, inkonsistente Beleuchtung und unsynchrone Lippenbewegungen.
- Google-Bildersuche: Laden Sie verdächtige Bilder in die Google-Bildersuche hoch, um Originalquellen zu finden.
- Gesunder Menschenverstand: Warum sollte ein Milliardär wie Elon Musk eine unbekannte Trading-Plattform bewerben? Die Antwort: Würde er nicht.
Rechtliche Konsequenzen
Die Erstellung und Verbreitung gefälschter Prominenten-Werbung ist nach deutschem Recht mehrfach strafbar:
- § 263 StGB (Betrug): Die Nutzung gefälschter Testimonials zur Erlangung von Anlagegeldern
- § 22 KUG (Recht am eigenen Bild): Die nicht autorisierte Nutzung von Prominenten-Bildern
- § 12 BGB (Namensrecht): Die missbräuchliche Verwendung fremder Namen
- § 187 StGB (Verleumdung): Die Zuschreibung nie getätigter Aussagen
Die Strafverfolgung ist jedoch schwierig, da die Täter häufig aus dem Ausland operieren und ihre Identität verschleiern. Betroffene Prominente gehen zunehmend zivilrechtlich gegen die Werbeplattformen vor, die solche Anzeigen zulassen.
Häufig gestellte Fragen
Werben Prominente wie Günther Jauch wirklich für Trading-Plattformen?▾
Wie erkenne ich ein Deepfake-Video?▾
Was soll ich tun, wenn ich auf eine gefälschte Prominenten-Werbung geklickt habe?▾
Warum werden solche gefälschten Werbeanzeigen nicht sofort gelöscht?▾
Können Prominente gegen den Missbrauch ihres Namens vorgehen?▾
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Dieser Artikel wurde zuletzt am 9.5.2026 aktualisiert und redaktionell geprüft.
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